Eine Liebeserklärung ans Netzwerken ohne Ausnutzen

Newsletter Women’s Network Mallorca – September 2026   Text: Alexa Bosse

Liebe Mitglieder, Freundinnen und Unterstützerinnen des WNM,
der Sommer zieht sich nur langsam zurück. Der September auf Mallorca ist ein Monat zwischen zwei Welten – die einen packen die Koffer Richtung Rückflug, die anderen kehren aus dem Urlaub in den Alltag zurück. Und mittendrin: wir. Bereit für neue Termine im Kalender, neue Begegnungen – und, ganz ehrlich, auch für ein bisschen Klartext.

Was ein Netzwerk wirklich wert ist

Denn worum geht es eigentlich, wenn wir von einem Netzwerk sprechen? Nicht um eine Ansammlung von Visitenkarten oder Kontakten, die im Adressbuch verstauben. Ein echtes Netzwerk ist etwas, das trägt – gerade dann, wenn der Alltag auf einer Insel fernab der Heimat mal herausfordernd wird. Es ist die Nachbarin, die weiß, welcher Handwerker zuverlässig ist. Die Kollegin, die den Namen der guten Kinderärztin parat hat. Die Freundin, die einen ermutigt, den nächsten beruflichen Schritt zu wagen. Genau dafür ist das WNM gegründet worden: als Ort, an dem Frauen sich gegenseitig stärken – menschlich zuerst, geschäftlich zweitens.
Der amerikanische Networking-Experte Bob Burg bringt es auf den Punkt: Networking sei im Kern die Pflege von Beziehungen, die beiden Seiten etwas bringen – am besten funktioniere es, wenn man den Aspekt des Gebens in den Vordergrund stellt. Ein schöner Gedanke. Und einer, der uns im WNM aus der Seele spricht. Nur: Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Denn zwischen großzügigem Geben und großzügigem Ausgenutzt-Werden liegt manchmal nur ein Abendessen.

Wenn der Elevator-Pitch zur Sprechstunde wird

Stellen wir uns folgende Szene vor: Ein geselliger WNM-Abend, gutes Essen, gute Gespräche, ein Glas Wein. Irgendwo zwischen Vorspeise und Dessert beugt sich jemand herüber und sagt: „Du bist doch Ärztin – schau dir das mal kurz an, was meinst du?“ Und schon ist der schöne Abend keine Vernetzung mehr, sondern eine kostenlose Konsultation im Stehen, garniert mit Oliven.
Wer als Ärztin, Anwältin, Steuerberaterin, Grafikdesignerin oder Coach ins WNM kommt, kommt aus denselben Gründen wie alle anderen auch: für Austausch, für Verbindung, für das gute Gefühl, nicht allein zu sein mit den Herausforderungen des Insellebens – und ja, auch für neue Geschäftskontakte. Was sie nicht sucht, ist eine Dauersprechstunde am Buffet. Und doch passiert genau das erstaunlich häufig, und fast immer unbewusst, denn die Grenze zwischen freundlichem Interesse und unbezahlter Dienstleistung ist auf einer Feier eben schnell verwischt. Die Kränkung dabei ist selten laut – meistens ist es dieses leise Gefühl danach: „Schon wieder nur gefragt worden, was ich umsonst tun kann.“

Der Unterschied zwischen Wertschätzung und Wertentnahme

Ein Netzwerk lebt von Großzügigkeit, keine Frage. Ein guter Tipp, eine Empfehlung, ein offenes Ohr – all das gehört zur DNA dessen, was das WNM ausmacht, und die meisten von uns geben das gerne und oft. Doch Großzügigkeit funktioniert nur, wenn sie eine Entscheidung bleibt und keine stille Erwartungshaltung wird. Der feine, aber entscheidende Unterschied liegt zwischen der Frage „Hast du einen Moment Zeit, mir kurz zu helfen?“ und der Selbstverständlichkeit, mit der manchmal vorausgesetzt wird, dass Expertise auf Zuruf und ohne Honorar zu haben ist – nur weil man sich beim WNM-Dinner gegenübersitzt.
Was also tun, wenn es wieder passiert? Ein Lächeln, ein charmantes „Das schauen wir uns gerne in Ruhe in meiner Praxis an – lass uns einen Termin machen“ wirkt wahre Wunder. Es nimmt der Situation die Peinlichkeit, ohne die Verbindung zu beschädigen, und es erinnert alle Beteiligten daran: Expertise ist ein Geschenk, das man macht – kein Anspruch, den man einfordert. Wer regelmäßig Rat auf Zuruf erhält, darf ihn auch regelmäßig wertschätzen: mit einem ehrlichen Dankeschön, einer Empfehlung an andere, einem Auftrag, einer fairen Bezahlung. Genau darin liegt die Balance, von der Bob Burg spricht – Geben und Nehmen, aber eben auf beiden Seiten.

Eine Frage der Kultur, ohne Vorwurf an Einzelne

Diese Zeilen sind keine Abrechnung – niemand im WNM handelt aus böser Absicht, wenn beim Dessert nach dem Hautausschlag gefragt wird. Es ist eher eine Einladung, gemeinsam eine Kultur zu pflegen, in der Nähe und Professionalität nebeneinander bestehen können, ohne sich gegenseitig zu untergraben. Ein Netzwerk, das ausschließlich aus Nehmerinnen besteht, funktioniert genauso wenig wie eines, in dem sich einige ständig ausgenutzt fühlen. Beides untergräbt am Ende genau das, weshalb wir alle hier sind: das Vertrauen zueinander.
Wer das nächste Mal also Lust hat, spontan nach einem Rat zu fragen, darf sich ruhig kurz selbst prüfen: Wäre diese Frage auch in einem geschäftlichen Kontext angemessen – oder eigentlich eher eine Praxis-, Kanzlei- oder Beratungsfrage, die einen eigenen Termin verdient hätte? Und wer selbst zu den gefragten Expertinnen im Netzwerk gehört, darf sich ebenso ruhig erlauben, freundlich, aber klar zu sagen: „Gerne – lass uns das professionell besprechen.“ Charme und Klarheit schließen sich schließlich nicht aus.

Zu guter Letzt

Ein Netzwerk wie das WNM ist ein Geschenk – Beziehungen, die tragen, wenn das Leben auf der Insel mal wackelig wird, und Menschen, die sich gegenseitig weiterbringen wollen. Damit dieses Geschenk lebendig bleibt, braucht es beides: die Großzügigkeit, mit der wir aufeinander zugehen, und den Respekt davor, wo die eigene Zeit, das eigene Wissen und die eigene Arbeit ihren Wert haben. In diesem Sinne wünschen wir einen September voller guter Gespräche – gerne auch über Symptome, aber am besten mit einem Termin dazu.


Herzliche Grüße

Dein Team des Women’s Network Mallorca (WNM)

PS: Habt ihr Themen, Ideen oder Ankündigungen für den Herbst? Schreibt uns gerne an . Sobald die Termine für die Herbstveranstaltungen feststehen, ergänzen wir sie gerne im nächsten Newsletter – meldet euch, wenn ihr schon jetzt ein Datum für uns habt.

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